Der alltägliche Wahnsinn: die Woche vom 11.-17. April

Wir sind ganz entspannt in die Woche gestartet und haben am Montagmorgen einfach mal nichts gemacht. Während der Papa arbeitet spielen wir abwechselnd drinnen und draußen, essen zu Mittag und die Mäuse machen sogar ein kurzes Mittagsschläfchen . Nachmittags wollen wir eigentlich mit Papa auf den Spielplatz, denn die Sonne scheint und es ist frühlingshaft warm. Doch dann fragt eine befreundete Zwillingsmama ob wir zu ihr und ihren Jungs in den Garten kommen wollen, es gibt einen neuen Matschtisch. Also statt zum 20m entfernten Spielplatz stattdessen zur 100m entfernten Zwillingsmama. Ihre Rabauken sind nur drei Monate jünger als unsere Mädels und die Kinder spielen zwei Stunden lang ausgiebig miteinander. Als alleinerziehende Mutter zweier Kleinkinder hat unsere Nachbarin es nicht einfach aber sie hat ihren Jungs ein tolles Zuhause (mit wirklich tollem Kinderparadies im Garten) geschaffen und ist sicherlich froh mal einen Tag nicht allein die Bespaßung zu übernehmen. Gegen 6 machen wir uns auf den, zugegebenermaßen recht kurzen, Heimweg und es gibt Abendbrot. Ich bringe die Kinder alleine ins Bett denn Papa hat ein wichtiges Telefonat wegen seinem Hobby, dem Fußball, zu führen. Wir wollen noch weg, heute steht die erste Catering-Besprechung für unsere Hochzeit an. Mit untrüglicher Sicherheit spüren meine Töchter, dass etwas anders ist und Mama heute nicht ganz so viel Zeit hat. Natürlich stellen sie sich jetzt besonders quer und kommen wir, auch weil Papa mehr als eine Stunde am Telefon hängt, fast zu spät aus dem Haus. Für die zwei Stunden unserer Abwesenheit übernimmt Oma das Babyphone und berichtet anschließend von weinenden, nach Mama verlangenden, Enkelkindern die sich kaum beruhigen ließen. Normal verkraften die Kinder unsere seltene Abwesenheit sehr gut und mein Mamaherz blutet ob der Vorstellung, dass meine Babys sich alleingelassen gefühlt haben könnten. Am nächsten Morgen ist alles ok und ich werde mit strahlendem Lächeln begrüßt.

Das Wetter am Dienstag ist nicht mehr ganz so schön wie am Vortag, trotzdem verbringen wir ihn komplett auf dem Spielplatz. Morgens mit Papa, mit dem man so wundervoll toben kann, und nachmittags mit Mama und einer Familie aus der Nachbarschaft. Diese hat erst vor kurzem in unsere Nähe gebaut und zwei Kinder im Alter von vier (fast 5!, sehr wichtig in diesem Alter) und ebenfalls zwei. Nach kurzem beschnuppern freuen unsere Mädels sich sehr über ihre neuen Spielkameraden. Die Mutter der beiden ist ebenfalls sehr nett und wir unterhalten uns etwas. Ihr scheint nicht zu behagen wie viel ich meine Töchter alleine machen lasse, denn mehr als  einmal scheint sie kurz davor meine Kinder von der Hängebrücke zu holen oder sie an der Hand über selbige zu begleiten. Ein paar mal tut sie es auch, wenn sie in der Nähe steht, und E. und N. lassen sich verwundert aber bereitwillig über die Wackelbrücke geleiten. N. schockt dann sogar mich, als sie ohne Hilfe ein Kletternetz bis ganz nach oben erklimmt, sich auf das Holz stemmt, „Guck Guck“ ruft und sich dann ohne Vorwarnung in meine Arme fallen lässt. Den Teil mit dem klettern fand ich super, das einfach fallen lassen zeugt von ihrem Vertrauen, sollte aber wohl eingeschränkt werden. Die restliche Zeit rutschen die Mädels mit dem etwas älteren Mädchen der Nachbarn und machen ihren ersten Versuch Fangen zu spielen. Abends sind sie so geschafft von dieser Überdosis frischer Luft, die nur vom Mittagessen und -schlaf unterbrochen wurde, dass sie ohne zu Murren ins Bett gehen und schlafen. Gut für mich, denn eine Freundin ist gekommen um mit mir „mal eben“ unseren Wedding Tree zu basteln. „Mal eben“ dauert bis 22:30 Uhr, aber dafür wird er toll!

Mittwochmorgen bekommen wir Besuch vom Patenonkel und seiner Frau. Die Kinder bekochen die beiden nicht nur mit ihrer Spielküche sondern helfen auch den Männern beim zubereiten der Spaghetti Bolognese. Währenddessen tauschen die angetraute Patentante und ich uns über meinen Blogeintrag zum Thema „Zusammenbruch“ aus. Eigentlich kennt so gut wie niemand aus meinem Privatleben diesen Blog und ich war ein bisschen geschockt als sie mich darauf ansprach. Dieser genannte Artikel war via Tollabea bei Facebook veröffentlicht und von einer eingeweihten Freundin ‚geliked‘ worden. Er tauchte dann in der Timeline der Patentante auf und so fand sie mich. An sich habe ich kein Problem damit, dass Menschen aus meinem Umfeld lesen was ich schreibe. Auch über meinen Zusammenbruch zu sprechen ist mir nicht unangenehm. Doch es gibt einfach Menschen die will ich hier nicht haben und je mehr Freunde von meinem Blog wissen desto größer werden die Chancen auch von ungewollten Bekannten gefunden und beurteilt zu werden. Dies würde ich gern verhindern oder zumindest das Risiko des Erkennens etwas mindern. Mal sehen wie ich das zukünftig handhabe. Auf jeden Fall verlassen der Patenonkel und seine Frau uns am frühen Nachmittag wieder. Wir sehen sie eher selten und nie lange, was ich sehr schade finde. Mein Mann, der abends zur Nachtschicht muss, hat das große Los gezogen und muss auch noch nachmittags zu einer dreistündigen Fortbildung. Die Damen und ich verziehen uns auf Grund des eher schlechten Wetters ins Wohnzimmer und versuchen den Tag rumzubekommen. Es gab, wegen des Besuches, keinen Mittagsschlaf und die beiden sind völlig überdreht. Wir toben und kochen ein bisschen und Pünktlich zum Abendbrot ist auch der Papa wieder da. Die Mäuse kommen ins Bett, wo sie schnell schlafen, und Papa fährt zur Nachtschicht. Die Nacht wird für mich etwas unruhig, weil E. nachts um 2 bitterlich weinend ihren Schnuller sucht. Als ich ihn nicht gleich finde wird sie immer lauter und N. beginnt sich zu regen. Ich muss also runter und einen neuen besorgen, was E. zu noch lauterem Wehklagen animiert. Am Ende hat sie einen neuen Schnuller mit „Bäa“ und ich kann wieder in mein ausgekühltes Bettchen zurück.

Donnerstag beginne ich den Tag in dem Versuch den Papa nicht zu wecken, der nach seiner Nachtschicht das Recht auf herrliche sieben Stunden ungestörten Schlaf hat. Die Mäuse werden ermahnt bloß leise am Schlafzimmer vorbei zu tapsen, was sie nur dazu animiert laut an die Tür zu klopfen und nach Papa zu rufen. Bevor es noch schlimmer wird packe ich die zwei und bugsiere sie nach unten. Es gibt Frühstück, die Mäuse fordern „Mame“ auf ihr Brot. Weil es wieder so wundervoll warm und sonnig ist gehen wir auf den… Spielplatz. Überraschung. Opa hat heute frei, weil er Oma ins Krankenhaus zur Nachuntersuchung ihrer Bauchspeicheldrüsenentzündung bringen musste. Er kommt zum spielen rüber und beschäftigt die Kinder während ich in aller Ruhe das Mittagessen koche. Auch mal ganz schön. Um Papa nicht durch den üblichen „Ich bin aber gar nicht müde und brauche keinen Mittagsschlaf“-Lärm zu wecken verzichte ich darauf die beiden ins Bett zu stecken. Ich hoffe, sie schlafen so abends besser. Werden sie nicht, so viel sei vorweg genommen. Papa wird etwas früher als verabredet von seinen Prinzessinnen geweckt und von mir mit dem Auftrag bedacht sich etwas Schönes anzuziehen. Auch die Kinder und ich haben uns schick gemacht. Wir wollen das Wetter nutzen um ein paar schöne Bilder von uns zu machen. In der nächsten Stadt steht eine wundervolle Allee voller Kirschbäume. Dort fahren wir hin um Fotos zu schießen. Mama hat extra einen Kinderriegel eingepackt um den Nachwuchs im Falle einer plötzlichen Unlust zu motivieren. Das erste Rippchen gibt es schon nach 15 Minuten. Kinder glücklich, also schnell ein paar Paarfotos machen. Als wir uns umdrehen hat E. meine Tasche durchforstet und die restliche „Lokela“ an ihre Schwester und sich verteilt. Kinder immer noch glücklich, Mama etwas skeptisch ob es auch ohne Lockmittel klappen wird schöne Bilder zu machen. Über eine Stunde nehmen wir uns und am Ende wird das letzte Bild, gemacht auf dem Weg zum Auto, das schönste Schwesternbild des Tages. Da wir gerade eh in der Stadt sind besuchen wir kurz Oma im Krankenhaus, das selbe in dem ich wegen der Kinder so lange lag und in dem ich auch entbunden habe, wo ich die Chance nutze und nach meinem Geburtsbericht frage. Als Antwort bekomme ich gesagt, dass es sich um krankenhausinterne Dokumente handele die ich nicht bekommen werde. Wie bitte? Da werde ich auf jeden Fall nochmal nachhören. Schon nach 15 Minuten verabschieden wir uns, es ist schon spät und wie brauchen noch Spielklamotten. Also wieder ins Auto, einen Stadtteil weiter. Es gibt eine Matschjacke und Schuhe zum toben und ganz nebenbei auch wunderschöne Kleidchen die sie zur kirchlichen Hochzeit des Patenonkels tragen werden. Mama investiert unglaublich viel Geld in eine Handyhülle von der sie dachte sie würde sie nie brauchen, die aber wegen einer beginnenden Spider-App jetzt doch unumgänglich wird. Um noch pünktlich zu Abend zu essen müssen wir uns jetzt etwas beeilen, doch pünktlich wie die Maurer sind wir zu Brot, Gurke und Babybel zuhause. Trotz des ausgelassenen Mittagsschlaf ist das ins Bett bringen eine Katastrophe. Als Papa um halb 9 zur Nachtschicht fährt sind die Mädels noch hellwach. Naja, zumindest die letzten anderthalb Stunden Germanys Next Topmodel kann ich mir kopfschüttelnd anschauen.

Auch am nächsten Morgen, Freitag, beginnt der Tag mit „Pssst“- Rufen meinerseits. Dieses Mal klappt es glücklicherweise, dafür wird der Rest des Tages sehr anstrengend. Trotz Samtpfotengang (behauptet er zumindest, ich habe ihn aber auch gehört) hat Papa die Kinder beim Heimkommen um halb 7 geweckt. Jetzt haben sie ein mittelschweres Schlafdefizit und quengeln sich durch den Tag. Ich versuche die Zeit irgendwie sinnvoll herumzubekommen und mache einen alten Laptop wieder fit. An der Uni habe ich ihn für Mitschriften und Hausarbeiten genutzt, mittlerweile ist er länger ausser Betrieb aber sehr langsam. Sehr langsam. Wer erinnert sich noch an die Zeiten in denen Internetseiten sich Stück für Stück aufbauten? Langsamer. Er baut sogar das Startmenü so auf. Also alles runtergeworfen was nicht drauf bleiben musste und defragmentiert. Und bereinigt. Und nochmal defragmentiert. Die Mäuse haben ihn in Ruhe gelassen und stattdessen anderes Interieur bespielt. Besonders die Fenster haben es ihnen angetan. Immer wieder malen sie sie an um sie dann mit Feuchttüchern zu reinigen. „Putzze Mama, putzze! Sauba!“ . Wenn sie mir so wenigstens wirklich das lästige Fensterputzen abnähmen… Um 13 Uhr gibt es wieder ein „psssst“ von mir. Dieses Mal nicht wegen Papa, sondern wegen Böhmermann. Die Ansprache der Kanzlerin konnte ich mir nicht entgehen lassen und am Ende bleibe ich ziemlich verdattert sitzen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie dem stattgeben würde und bin nun etwas verwirrt. Ja, es ist ein Gesetz, ein uralter Paragraph, und sie will sich nicht anmaßen darüber hinweg zu entscheiden. Eben weil wir ein Rechtsstaat sind und ein Rechtsstaat sich an seine Gesetze hält. Sie hat auch die Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit noch einmal deutlich bestätigt. Aber sie hat den Fall an die Legislative weitergegeben und das hat mich dann doch geschockt. Hoffen wir mal, da steht ein größerer Plan hinter. Erdogan, den wir jetzt noch benötigen, besänftigen und darauf vertrauen, dass dem nicht mehr so ist wenn die langsamen Mühlen der Justiz sich des Falles wirklich annehmen. Dann Freispruch und Ende. Oder so. Um 14 Uhr wird Papa wieder von seinen Mädels geweckt. Wir müssen noch einkaufen, bevor das Wochenende startet. Unendlich langsam quält er sich aus dem Bett, während die Kinder und ich mit den Hufen scharren. Das Mittagessen verschmäht er und so geht’s los. Die Kinder haben Spaß, wir sind froh als wir wieder Zuhause sind. Kurz die Taschen ausgepackt, dann geht es für Papa los zum Fußballtraining. Als er geht kann ich mir ein „Hast du ein Glück, dass du hier raus kommst“ nicht verkneifen, denn der Nachwuchs hat seine Quengeligkeit nicht abgelegt. Stattdessen haben sie sie sogar noch maximiert und wegen jeder, wirklich wirklich jeder kleinen Kleinigkeit schmeissen sie sich auf die Erde, weinen, hauen und beißen. Darum  bringe ich sie etwas früher als üblich ins Bett, wo sie trotz allem nicht einschlafen. Unfassbar.

Um 5 klingelt der Wecker. Es ist Samstag, Mama muss arbeiten. Es ist nicht allzu stressig und ich habe verhältnismäßig gut geschlafen, Trotzdem bin ich froh, als ich mittags Zuhause bin. Papa steckt die Kinder alleine ins Bett wo sie keinen (!) Mittagsschlaf machen. Wir lassen sie dennoch kurz im Zimmer und essen gemeinsam zu Mittag. Nach kurzer Diskussion über die Prioritäten des Hausherren (Bundesliga oder Frau kurz entlasten) lässt mein Mann mich schlafen und nimmt die Kinder mit zu Oma und Opa. Nach einer Stunde ist dieser Luxus wieder passé, er bringt sie mir zurück und geht dann doch Fussball gucken. Wie jeden Samstag verbringen wir einen Chilltag im Wohnzimmer. Es laufen fünf Folgen Shopping Queen am Stück, mein after-Work Entspannungsprogramm. Die Kinder schauen nichtmal hin sondern beschäftigen sich trotz Schlafmangel realtiv gut miteinander. Diese Samstage liebe ich. Ich weiss, viele Mütter arbeiten jeden Morgen und schmeißen anschliessend noch gut gelaunt und mit Links den Haushalt und die Kinder. Aber ich bin jeden Samstag dermaßen kaputt von dem wenigern Schlaf und den hektischen Stunden in der Bäckerei, dass ich mir diese Freiheit herausnehme. Wie gesagt, die Kinder schauen nichtmal zum Fernseher und ich habe es etwas ruhiger als gewöhnlich. Sie scheinen zu spüren, dass Mama an diesem Tag müde ist.  In der Bundesliga Pause baden Mama und Papa die Mäuse. Die zwei freuen sich sehr – bis wir ihnen die Haare waschen. Aber das ist schnell wieder vergessen und sie haben viel Spaß in der Badewanne. Heraus bekommen wir sie nur, weil wir ihnen versprechen, dass sie beim Nägel schneiden eine Folge der Sendung mit der Maus schauen dürfen. Und so kommt es auch. Mama schneidet den Kindern nacheinander die Nägel, während Maus und Elefant in ihren Clips die Kinder zum jauchzen bringen. Sie schauen kein Fernsehen, nur beim Nägel schneiden gibt es 10 Minuten Maus. Sie lieben es und wir erklären genau was passiert. Mittlerweile erklären die beiden es auch oft uns. „Mama, Mau, Tooooooooor!“. papa schneidet übrigens keine Nägel, nie. Einmal hat er E. zu tief geschnitten, seitdem traut er sich nicht mehr. Macht nichts, ich bin eine wahre Meisterin meines Fachs. Übrigens haben die beiden, trotz erneut ausgefallenem Mittagsschlag, wieder noch genug Energie um fast zwei Stunden durch ihr Zimmer zu toben, bevor Papa sie irgendwie zum Schlafen bekommt. Seine Tricks verrät er nicht, aber sie helfen.

Sonntag wollten wir eigentlich mit zu Papas Auswärtsspiel fahren, doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Also kochen wir mittags Puddingsuppe, machen ein kurzes Nickerchen (oh Wunder!) und verbringen den restlichen Nachmittag im Haus. Ich habe ganz spontan eine Patentante der Kinder gefragt ob sie uns nicht besuchen möchte und tatsächlich kommt sie kurz vorbei. Die Kinder lieben sie und es wird ein schöner Nachmittag. Wir essen Vanillepudding und Erdbeeren und quatschen, während die Mäuse alle meine Ratgeber und Schullektüren aus dem Regal räumen. Nach dem sie weg ist kommt Opa noch kurz zum Spielen vorbei. Die Mädels üben eine Schubkarre und kriechen am Ende auf ihren Unterarmen durch das Wohnzimmer. Wir erfahren per WhatsApp, dass Papa das Siegtor geschossen hat und die beiden rufen immer wieder „Papa Tooooor!“. Als er kommt gibt es noch Abendbrot, heute mit Einback statt Schwarzbrot da ich vergessen habe welches aufzutauen. Vom Schlafen gehen fange ich jetzt lieber nicht an, das einzige das noch schlimmer ist als ein Tag ohne Mittagsschlaf ist einer mit…

Nächste Woche hat Papa Urlaub, mal sehen ob wir es schaffen neben den notwendigen Hochzeitsvorbereitungen noch etwas Tolles zu unternehmen?

Wer die Bilder zu unserer Woche sehen möchte, der folge mir doch bitte bei Instagram. Dort habe ich wenigstens ein bisschen die Möglichkeit zu schauen wer Fotos meiner Kinder sehen kann.

Wie meine Kinder mal vor dem Frühstück zu einem Disneyfilm kamen

Nur kurz vorweg, denn darum soll es jetzt nicht gehen: ich halte  nicht viel davon seine Kinder vor dem Fernseher zu parken. Bis unsere Mäuse zwei Jahre alt waren kannten sie Fernsehen gar nicht. Jetzt gibt es bei uns eine Ausnahme, das Nägel schneiden nach dem Baden. Dabei dürfen die beiden eine Folge „Lauras Stern“ schauen. Oh, und als ich krank war durften sie sogar zwei schauen. Und heute, heute morgen war es sogar  ein ganzer Disneyfilm…

Normalerweise sind meine Töchter ausgesprochene Langschläfer. Wir sagen immer, dass ist unsere Gerechtigkeit für die schwere Zeit der Fütterungsstörung. Im Moment aber wachen sie regelmäßig morgens um 5 auf. Ich versuche dann sie zum nochmaligen einschlafen zu bewegen, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Ich mache ein Hörspiel an und erkläre, dass es noch ein bisschen früh ist, dass sie noch etwas schlafen sollen oder, wenn es nicht mehr klappt, sich im Zimmer beschäftigen können bis ich fertig bin. Manchmal klappt das super und sie schlafen nochmal ein, manchmal stellen sie ihr Zimmer auf den Kopf und seit neuestem finden Sie ir-gend-eine Möglichkeit ihre Zimmertür zu öffnen und mich freudestrahlend unter der Dusche zu erschrecken. Mit allen drei Varianten kann ich gut leben.

Heute waren sie wieder mal so früh wach. Ich also rein, eingekuschelt, Hörspiel an, ermahnt. Dann habe ich mich sogar todesmutig nochmal hingelegt – und bin eingeschlafen. Glückwunsch, mag man sich jetzt denken, aber wo ist der Disneyfilm? Um halb 9 wurde ich wieder wach, Nele ruft. Ein kurzer, zufriedener Blick auf die Uhr (geht doch) und langsam aus den warmen Laken geschält um zu schauen was Nele zu ihren „Mama, komma snell rüüba“-Rufen bewegt hat. Jetzt im nachhinein kommen sie mir vielleicht sogar etwas panisch vor… 

Beim betreten des Kinderzimmers traf mich der Schlag. Zunächst der olfaktorische, denn der Geruch war einfach nur widerlich. Hätte ich meine Nase schließen können, ich hätte es getan. Vorgewarnt durch den üblen Geruch traute ich mich schon gar nicht mehr meine Augen zu heben um zu erkunden woher er kam. Ich wusste es schon. Alles war voller Kot. Alles. Wände, Bett, Bettwäsche. Kuscheltiere, Bücher und nicht zuletzt die Kinder. Während Nele mir strahlend ihren Rücken präsentierte („Mama, Emma meine Rücke einecremt!“) wunderte ich mich nur darüber ob der Kotstreifen auf ihrer Nase sie nicht störte. Während sich die ‚Creme‘ bei Nele also nur fleckenweise zeigte war Emma von Kopf bis Fuss eingeschmiert. Haare, Gesicht, Bauch und Rücken, Beine und Arme. Einfach alles. In dieser Sekunde konnte ich nichtmal mehr schimpfen. Dazu hätte ich wohl auch tief Luft holen müssen und das war beim besten Willen nicht möglich, ohne einen Brechreiz auszulösen.

Manchmal funktioniert man einfach. Die Kinder wurden als erstes unter die Dusche verfrachtet. Noch so eine Premiere, denn bisher hatten die beiden zuviel Angst ihre geliebte Badewanne gegen den Duschkopf auszutauschen. Zweimal musste ich sie einweichen bis sie endlich sauber waren. Ich bilde mir übrigens trotzdem ein noch etwas zu riechen. Jedenfalls stand mir das schlimmste noch bevor – das Zimmer des Grauens. Damit die blitzesauberen Damen allerdings nicht wieder mitten in die Sauerei liefen und ich sie am Ende nochmal einer Extremreinigung unterziehen musste, suchte ich fieberhaft nach einer Möglichkeit die Mädels erfolgreich und für etwas längere Zeit zu beschäftigen. Etwas mit 120%-iger Garantie quasi. Gerne würde ich jetzt behaupten ich hätte sie mit einem Fädel- oder Sortierspiel beglücken können, doch es wurde Netflix. Und da ich nicht davon ausging, dass 10 Minuten ausreichen würden um das Kinderzimmer einer intensiven Grundreinigung zu unterziehen entschied ich mich für „Dumbo“. 

Mir blieb also eine Stunde und drei Minuten. Genauere Beschreibungen meiner survival-Reinigungsaktion erspare ich euch. Nur so viel, das Dschungelcamp kann mich nicht mehr schocken. Betten abziehen, Wände und Boden reinigen, Bett abwischen/abrubbeln, Kuscheltiere in die Waschmaschine. Statt,  wie empfohlen, zweieinhalb Verschlusskappen Hygienespüler wurden es vier. Am Ende stellte ich mich selbst auch noch unter die Dusche, der Geruch hing mir noch immer in der Nase. Ich schaffte es so eben innerhalb der Spielzeit von Dumbo fertig zu werden. Ingesamt habe ich mehr als zwei Stunden gebraucht um die Kinder, das Zimmer und mich zu säubern. 

Die Fenster lasse ich wohl noch etwas länger sperrangelweit aufstehen und hoffe, dass es irgendwann nach frischer Herbstluft riecht statt nach angetrocknetem Kacka.

Gefrühstückt haben wir dann übrigens so gegen halb 12. Wenn man die Schokodragees nicht mitrechnet, die die Kinder beim netflixen neben unserem Elternbett entdeckt haben.

Und so kamen meine Töchter mit nichtmal drei Jahren zu einem Disneyfilm, den sie bei einem ersten Frühstück aus Süßigkeiten am frühen Vormittag schauen durften…

(Nicht) nur Mama – wie ich die Bloggerin in mir verlor

Meinen letzten Blogeintrag habe ich im April geschrieben, vor ziemlich genau einem halben Jahr also.

Es war nichtmal ein eigenständiger Beitrag sondern gehörte zur Reihe der Wochenrückblicke. Das Letzte das ich unabhängig davon geschrieben habe war mein Artikel über den Zusammenbruch, der sehr persönlich und emotional war.

Danach hatte ich eine  Hoch. Ich war motiviert, wollte noch regelmäßiger bloggen. Es gab sogar Anfragen zu festen Kooperationen, was mich sehr geehrt hat und bei denen ich mir vieles schon genau ausgemalt hatte. Dann kam es da draußen zu der Diskussion um grosse und kleine Blogger, um professionelle und „nebenher“ Blogger. Und auf einmal fühlte ich mich klein.  Ich fühlte mich nicht dazugehörig. Nicht gut genug. Ich hatte nur etwa halb so viele Follower wie meine Lieblingsblogs  und war noch nie auf einem Bloggerevent. Wieso auch, wie kommt man da hin? Ich bewege mich nicht in diesen Kreisen und habe auch nicht das Gefühl dort hinein zu kommen. 

Mit einem Schlag war alles dahin. Mein Antrieb verpuffte. Was machte ich hier überhaupt? Was bildete ich mir ein? Ich, eine Bloggerin? 

Ich hatte das Gefühl diese Rolle der Bloggerin, meine Rolle als Bloggerin, nicht ausfüllen zu können. Ich konnte nicht mehr schreiben. Wo sich vorher laufend neue Artikel in meinem Kopf formulierten herrschte nun nichts mehr als gähnende Leere und Selbstzweifel.

Es folgte der Sommer und das schreiben für den Blog fehlte mir kaum. Unsere kirchliche Trauung stand an und die Vorbereitungen füllten mich total aus. Ich war Braut.

Mein Mann und ich näherten uns wieder mehr  und mehr an, stritten uns teils heftig, arbeiteten weiter an uns. Ich war Ehefrau.

Die Kinder entwickelten sich mehr und mehr zu eigenständigen Persönlichkeiten. Mit ihrem neu entdeckten Selbstbewusstsein forderten sie mir gleichzeitig immer mehr ab und gaben noch mehr zurück. Ich war Mama.

Aber nicht nur. Neben mir der Braut, der Ehefrau, der Mutter reifte mehr und mehr der Wunsch eine weitere Rolle, einen weiteren Aspekt von mir zu fördern – mich. Ich wollte (wieder) ich sein.

Seit meinem 15. Lebensjahr stecke ich fast durchgehend in Beziehungen. Seit 9 Jahren nun mit meinem Mann. Seit fast 3 Jahren nun bin ich Mama zweier toller Töchter. Aber wenn man mich fragt wann ich das letzte Mal ich war, so ganz für mich, dann kann ich das nicht sagen.

Seit mehr als 10 Jahren lebe ich jetzt durch meine Partner. Ich ging nicht feiern sondern machte Fernsehabende mit meinem ersten Freund. Manchmal schaute ich ihm auch nur bei Onlinegames zu. Obwohl ich es wollte habe ich in der 11 kein Auslandsjahr gemacht, es hätte meine frische Beziehung zu meinem jetzigen Mann gefährden können. Ich studierte im Nachbarort einen Kompromiss statt in einer weiter entfernten Stadt mein Wunschstudium zu absolvieren. Nachdem ich den Führerschein gemacht hatte fuhr ich nie wieder und beschnitt meine Möglichkeiten der Freiheit so weiter. Ich war immer vernünftig.

Und jetzt habe ich ein Haus, einen Mann und zwei tolle Kinder. Keins davon würde ich missen wollen, für keinen Preis der Welt. Was ich stattdessen vermisse bin ich. Einfach ich. An mich denken, mich fördern, mich fordern. Mich mal an erste Stelle zu setzen. Aber ich habe einen Mann.  Und vor allem habe ich Kinder. Dinge wie „wild mit einem Fremden Knutschen“ sind für die Dauer dieses Lebens gestrichen. Work and Travel in Australien ebenso. Keins von beidem ist mir so wichtig als das ich dafür alles andere aufgeben würde. Und doch habe ich das Bedürfnis ich müsse und ich möchte wenigstens eine Lightversion davon erleben. Einmal flirten im Club  (habe ich tatsächlich noch nie). Zwei Wochen Urlaub in Amerika, mit Mann und Kindern.  Sowas.

Das wichtigste, tollste und schönste in meinem Leben ist und bleibt meine Familie. Könnte ich die Zeit zurückdrehen würde ich nichts ändern. Da wo ich bin wollte ich hin und hier bin ich dort wo ich sein soll. 

Aber von hier aus will ich meine Flügel wenigstens ein bisschen ausbreiten und endlich nachholen was ich längst hätte tun sollen : mich entwickeln. Mich genießen. Mich leben. 

Endlich eine Ausbildung machen oder ein Studium beenden. Einen Abend mit den Mädels feiern gehen. Mit meinem Mann allein einen Wochenendurlaub machen. Länger als 20 Minuten in der Badewanne lesen und entdecken ob dazu lieber Rot- oder Weißwein trinke. Die kleinen und die grossen Dinge die mir helfen eine weitere, die vielleicht wichtigste Rolle meines Lebens auszufüllen.  Erstmal zu erschaffen.

In den letzten sechs Monaten ist aus diesem Gedanken eine Gewissheit geworden. Ein Traum. Ein Ziel und ein Weg. Ein brennender Wunsch. Ich vermute es wird schwerer sich selbst zu finden wenn man nie mehr für sich sein wird, wenn ein Teil seines Herzens und seiner Seele bereits in seinen Kindern steckt. Dieser Teil wird mich ewig hier verankern, in meiner Familie. Damit bleibt weniger Spielraum in die Weite, ich werde mich nicht mehr durch Weltreisen finden. Gleichzeitig eröffnet es mir einen leichteren Zugang zu dem was tiefer liegt, zu meinen Tiefen. Nicht mehr 16 sein hat auch so seine Vorteile…

Auf diesem Blog lebe ich nur die eine Rolle, die der Mutter. Hier schreibt eine Mutter über ihr Leben als Familie, ihr Leben mit Kindern, ihr Leben als Vorbild. Über Ihre Erfolge und Verfehlungen. Über den Alltag als Mama eben. Wenn sich aber nun parallel dazu die Sehnsucht nach dem eigenen Selbst dermaßen laut bemerkbar macht, dann ist es unglaublich schwer sich auf diesem Blog selbst zu beschränken. Ich kann nicht im realen Leben danach streben mich ein Stück weit unabhängig zu machen und hier doch wieder „nur“ Mama sein. 

Ich sehe mein Leben nicht mehr nur aus den Augen einer Mutter. Mit der Erkenntnis endlich etwas für (das) m(ich) tun zu müssen habe ich mich schon ein Stück entwickelt. Es hat meine Sichtweise bereits verändert, mein Blickfeld gleichzeitig erweitert und doch wieder auf ein anderes Thema beschränkt. Daher war, und vielleicht auch ist, es mir nicht möglich weiterhin über Trotzphasen, Freizeitgestaltung, Einschlafprobleme und Sprachentwicklung zu schreiben wie bisher. 

Meine Themen, meine Welt hat sich etwas verschoben. Wer mir auf Instagram und Twitter folgt wird bereits gemerkt haben, dass immer häufiger auch einfach Fetzen von mir, und nur mir, dort zu finden sind. Nicht von mir als Mama sondern von mir als Person. Für mich fühlt sich das richtig an. Für mich ist das wichtig. 

Ich werde diesen Blog weiterführen. Er wird in der Hauptsache sicherlich auch weiter ein  Blog über die Familie Leseratte sein. Aber sein Fokus wird sich verschieben, wird andere Themen beleuchten. Er wird vermutlich phasenweise voll gehauen und dann wieder sträflich vernachlässigt. Aber werde ich ihn noch Blog nennen oder doch Tagebuch? Denn meine Selbstzweifel bezüglich meiner Rolle als „Bloggerin“ bleiben. Ich verstehe nichts davon mich zu vermarkten, Gewinnspielen auszurichten und auf Conventions über medialen Einfluss zu diskutieren. Ich will schreiben und dabei vor allem eins sein: authentisch. 

Ich will überhaupt vor allem eins sein: ich.  

Der alltägliche Wahnsinn: die Woche vom 18.-24. April

Diesen Wochenrückblick gibt es mit etwas Verspätung, der Mann ist krank (wirklich krank, nicht die Männergrippe) und dadurch geht es hier im Moment etwas drunter und drüber. Interessant eigentlich, wie hier alles durcheinander geworfen wird obwohl der Papa sonst auch nicht die Hauptarbeit übernimmt. Aber da er ansteckend ist kann ich nichtmal die Kinder bei ihm lassen während ich dusche. Geschweige denn um einen Blogeintrag zu schreiben. Und abends, wenn die Kinder im Bett sind, mache ich dann alles was tagsüber nicht ging. Mal sehen, ob ich diesen Beitrag jetzt in einem Rutsch geschrieben bekomme…

Der Montag ist Papas erster Urlaubstag und wir nutzen ihn direkt um endlich mal das Spielzimmer für die Kinder herzurichten. Bei uns im obersten Stock gibt es zwei für die Kinder vorgesehene Räume. Wenn die beiden mal nicht mehr zusammen in einem Bett oder Raum schlafen wollen, hat jede Dame schon ein Zimmer bezugsfertig. Bisher schlafen beide noch in N.’s zukünftigem Zimmer und E.’s Zimmer wird seit einem Jahr als Abstellraum/“Gästezimmer“ genutzt. Gespielt wird wurde im Wohnzimmer. Nach unserer großen Auf- bzw. Umräumaktion fungiert E.’s Zimmer nun als Spielzimmer mit Kuschelcouch, Zelt, Krabbeltunnel, Hüpfmatten, Playmobil, Duplo und mehr. In unserem Wohnzimmer stehen nur noch die Spielküche, der Maltisch und das Bücherregal. So können sie sich sowohl oben als auch unten beschäftigen, je nachdem wo ich gerade zu tun habe. Und ganz nebenbei existiert hier nun endlich so etwas wie ein richtiges Wohnzimmer – für Erwachsene! Im Anschluß an diese tagesraubende Aktion unterziehe ich noch die ganze obere Etage einer eingehenden Putzaktion. Papa ist mit den Mädels zu den Großeltern rüber, kommt aber nach relativ kurzer Zeit mit einer kreischenden, weinenden N. zurück. Das Kletteräffchen wollte in Omas Abstellkammer eine große Leiter erklimmen, die allerdings umkippte. Glück im Unglück ist Nele nicht auf die Fliesen geschlagen, wurde dafür aber unter der Leiter eingeklemmt. Selbige blockierte dann die Tür zum Kämmerchen, weshalb erst niemand zu ihr kam. Papa musste dann die Tür trotz alledem aufdrücken und N. dabei noch etwas mehr einklemmen, bis er sie endlich befreien konnte. Ich erschrecke mich sehr und untersuche das Kind eingehend auf Verletzungen, finde aber glücklicherweise nichts außer einem blauen Fleck in Leitersprossenform auf ihrer Wange. Den Rest des Tages ist sie sehr quengelig, wer will ihr das verübeln nach diesem Schreck? Am Abend geht Papa zu seinem Kumpel gegenüber und sie zocken FIFA während ich, vom Umräumwahn mitgerissen, beim schwedischen Möbelhaus schon nach einem neuen Regal für den Flur suche.

Unser Dienstag startet mit dem üblichen Einkauf. Anschließend bequatsche ich den Papa zu einem Kurztrip nach IKEA. Er fährt allein um nach meinen genauen Anweisungen einzukaufen, während die Kinder Mittagsschlaf machen. Tatsächlich. Als er wieder da ist bauen wir unser neues Regal aus. Statt einer Kommode, wie ursprünglich geplant, bedecken jetzt unterschiedlich große Kallax-Regale unsere Wand. Sie bieten unglaublich viel Stauraum und beherbergen bisher ausrangierte Klamotten, Brettspiele, doppelte oder ungeliebte Bücher, Windeln, Fotoalben und noch mehr. Die Kinder loben ausführlich ihren Papa. Püh, ich habe auch geholfen, aber das scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Dafür entferne ich ihnen die Bügel ihrer Tripp Trapps und schenke ihnen somit ein Stück mehr Freiheit. Sie sind dann auch ganz stolz und nur Emma steht während des Essens einmal auf. Beide fordern am Nachmittag ihr Spielzimmer mit den Worten „Mama piele“ ein und verbringen dann auch einige Zeit vor allem mit ihrem Krabbeltunnel. Das witzigste und gleichzeitig unglaublichste Erlebnis des Tages bietet uns dann Emma, als ich abends ins Kinderzimme komme weil ich sie über das Babyphone habe weinen hören. Ich schaue ins Bett, da ist sie nicht. Mein Blick schweift durchs Zimmer und findet sie… in einer Schublade sitzen. Einer sehr kleinen Schublade. In etwa einem Meter Höhe. Bis heute weiss ich nicht wie sie dort hoch und hinein gekommen ist, aber ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Weil es mittlerweile 21:00 Uhr ist und die Mäuse immer noch nicht schlafen lese ich ihnen noch eine Geschichte vor, während der auch Papa vom Fussball nach Hause kommt. Wir kuscheln noch kurz zu viert und als wir dieses Mal nach unten gehen ist auch oben endlich Ruhe.

Mittwoch ist ein wunderbar sonniger Tag. Den Morgen verbringen wir unspektakulär, doch am Nachmittag geht es zum „Oppele“, meinem Papa. Dort genießen wir die Sonne bei einem Spaziergang, besuchen einen Spielplatz meiner Kindheit und essen eine Kugel Eis. Ich nutze die Gelegenheit in meiner Heimatstadt zu sein und hole mir direkt eine Taufbescheinigung ab, die ich nächste Woche zum Brautexamen benötige. Es ist wirklich warm und ein richtig schöner Frühlingstag. Die Mädels haben Spaß mit ihrem Opa und ihrem Onkel, sie laufen durch den Garten, spielen mit der Wassertonne und bringen mir stolz kleine „njam njam“ die ich „essen“ soll. Nachdem ich mehrmals enthusiastisch von dem undefinierbaren Klumpen „abgebissen“ habe erkenne ich auf einmal was ich da in Händen halte: uralte Katzenkacke. Ich habe mich selten so geekelt und die Kinder mussten sich schleunigst und äußerst gründlich die Pfötchen waschen. Durch das viele Spielen und toben an der frischen Luft sind sie abends so kaputt, dass sie sofort einschlafen.

Am Donnerstag machen wir einen Auslug ins „Irrland“ , einem Freizeitpark für (Klein-)Kinder. Wir hatten im Vorfeld ein bisschen gegoogelt und nun die Wahl zwischen Schloss Beck und Irrland. Ersteres lag eine halbe Stunde näher, konnte uns aber über den Webauftritt und die aufgeführten Attraktionen nicht überzeugen. Also nehmen wir etwas mehr als zwei Stunden Fahrt auf uns und fahren bis an die holländische Grenze. Ich kann nur sagen: es hat sich gelohnt. Wir sind ab der ersten Minute begeistert. Es gibt große Türme aus Heuballen die man erklettern kann, riesige Hüpkissen, unzählige Rutschen und Schaukeln, Spielplätze, Roller, Dreiräder und Laufräder die am Ende wir Großen fahren und auf denen wir die Kinder herumkutschieren – Muskelkater inklusive. Dazu gibt es Wasserspielmöglichkeiten, die wir trotz der fast sommerlichen Hitze allerdings außen vor lassen. In einem riesigen Becken voller Mais hat vor allem N. Spaß, bei den vielen Tieren wie Ponys und Ziegen eher E. . Alle Attraktionen sind so ausgelegt, dass auch unsere Zweijährigen Spaß daran haben und nur Not können Mama und Papa immer mitmachen. Wir essen Pommes und Bockwürstchen, das omnipräsente Verpflegungsangebot in Freizeitparks und Zoos, so scheint es mir. Doch Ausnahmen müssen sein und die Kinder sind überglücklich. Papa hat dann von Zuhause noch die geliebte „Paula“ eingepackt, ihr Lieblingspudding, und wird mit einem dankbaren Jauchzen belohnt. Insgesamt ist es einfach ein rundum schöner Tag, der nichtmal besonders teuer war. Auf dem Rückweg schläft E. schon nach wenigen Metern ein, doch da wir noch kurz hinter der Grenze einkaufen wollten wecken wir sie schon nach 15 Minuten. In einem kleinen holländischen Lebensmittelgeschäft decken wir uns mit Vla, Hagelslag und Stroopwafels ein. Immer diese Touristen… Als ich an der Kasse aber dann im fließenden Holländisch antworte haben wir auch die Kassiererin auf unserer Seite und sie schenkt uns noch undefinierbare Süßigkeiten für die Kinder (die am Ende in der Tonne landen. Glukosesirup an erster Stelle von nur drei zuckrigen Inhaltsstoffen, nein danke.). E. schläft dann schnell wieder ein und lässt sich auch bis zur Haustür nicht mehr wecken. Trotzdem schläft sie abends ein, N. aber nicht. Dieses Kind braucht einfach keinen Schlaf, so scheint es mir.

Freitagmorgen wollten wir eigentlich einkaufen gehen, doch Papa ist krank. Erst denke ich an die Männergrippe, doch irgendwie scheint er wirklich nicht fit zu sein. Also durchstöbere ich unsere Vorratskammern und den Tiefkühlschrank und gebe das ok. Gehen wir eben erst morgen für das Wochenende einkaufen. Papa legt sich dan auch gegen Mittag wieder ins Bett und ich bin baff. Da liegt wohl wirklich was im Argen. Während ich koche kommt seine Oma, „Oma Dombi“ uns besuchen. Die, auf der Arbeitsplatte neben mir sitzenden Kinder, rufen auf einmal „Omma Dopi, Omma Dopi“ und ich entgegne abwesend „Nein, das ist nicht Oma Dombi, das sind die Männer die draußen arbeiten“ (Anm.d.Red.: wir bekommen neuen Sockelputz, sofern die Arbeiten mal länger als zwei Stunden am Stück ausgeführt werden). Da klingelt es auch schon Sturm und die Uroma steht wahrhaftig vor uns. Die Kinder sind ganz außer sich und ich habe sogar mal Ruhe beim kochen. Papa schleppt sich nochmal kurz zu uns, um seine Lieblingsoma zu begrüßen, doch selbst ihre Anwesenheit kann ihn nicht lange auf den Beinen halten. Er flüchtet wieder ins Bett und wir essen zu Mittag. Es folgt der obligatorische Versuch eines Mittagschläfchens und ein Nachmittag im Garten. Der Tag endet unspektakulär.

Wie jeden Samstag muss ich um 5 raus und zur Arbeit. Dieses Mal habe ich aber sowieso nicht geschlafen und so hat der Wecker keine Arbeit mit mir. Kommt schon mal vor, dass ich vor der Arbeit kein Auge zu mache. Scheint die Angst vor dem Verschlafen zu sein, wenn ich schon nur ein Mal in der Woche aufstehen muss. Trotz, dass ich mit einer wirklich hinterhältigen Kollegin arbeiten muss geht der Morgen schnell um und endlich bekomme ich auch meine neue Arbeitsbluse. Zwei Größen kleiner ist sie und ich sehe wieder angezogen aus. Mein Plan einen Mittagsschlaf zu machen wurde davon durchkreuzt, dass die Kinder auch einen gemacht haben. So hatte ich gerade noch Zeit zu essen bevor ich sie wieder aus dem Bett holen musste. Papa ist immer noch krank, wenn es ihm auch besser zu gehen scheint als gestern, also mag ich sie ihm nicht anvertrauen um mich aufs Ohr zu hauen. Es wird ein langer, langer Nachmittag für mich und die Stunden ziehen sich endlos. Wenn man so müde ist, macht es einfach keinen Spaß. Abends fahre ich dann zu einer Freundin/Patentante von N. und werde dort mit zwei weiteren Freundinnen bekocht. Eine von ihnen ist schwanger und so sprechen wir hauptsächlich über Babys. Meine Ratschläge scheinen sie wenig zu interessieren, obwohl ich niemand bin der andauernd mit mehr oder weniger hilfreichen Tips um sich schmeißt und damit allen auf die Nerven geht (hoffe ich?), und sie ist sich sicher, dass sie schon recht bald nach der Geburt das Kind zu ihren Eltern geben wird um immer mal wieder Zeit für sich zu haben. Ich bin gespannt. Um halb zwölf bin ich dann wieder Zuhause und lasse mich von meinem Mann über den Abend berichten. Seine Eltern sind gekommen um beim ins Bett bringen zu helfen und so haben alle auch ohne mich den Abend gut überstanden. Die Kinder scheinen mich eh nie besonders zu vermissen (hier bitte ein trauriges Lächeln vorstellen). Nur als ich mir heute die Schuhe angezogen habe kam von N. ein „Mama nei! Nei Ssuh“, doch als ich erklärte ich fahre zu Tante Caro um dort zu Abend zu essen war sie einverstanden. Und Emma hat wohl grundlos (?) beziehungsweise ohne erkennbaren Grund schrecklich geweint und sich so sogar in den Schlaf geweint. Da blutet mein Mamaherz, weil ich nicht bei ihr sein konnte!

Auch am nächsten Morgen, am Sonntag, esse ich außer Haus. Dieses Mal bin ich mit drei weiteren Spielerfrauen zum brunchen verabredet. Darauf habe ich mich die ganze Woche tierisch gefreut, doch als wir jetzt da sind schaffe ich kaum etwas. Das verstehe wer will… Ich komme nach Hause als die Kinder schon im Bett sind und Papa auf dem Fußballplatz ist. Entgegen meiner Empfehlung übrigens, denn er ist immer noch krank. Aber er ist ja schon groß und was er davon hat, dass sehen wir nächste Woche. Meine Schwiegermutter hütet das Babyphone und die Kinder sind noch wach. Ich mag es gar nicht wenn andere arbeit haben nur weil ich mal etwas für mich mache und es kommt zum Glück sehr selten vor. Jetzt löse ich sie direkt ab und gehe zu den tobenden Mäusen nach oben. „Papa Ball!“, erzählen sie, also verspreche ich ihnen, dass wir nach dem Mittagsschlaf auch auf den Sportplatz gehen. Ich lege sie nochmal hin, mit wenig Hoffnung auf ein Schläfchen, ziehe mich um, packe die Wickeltasche und suche Matschklamotten zusammen. Bei dem Aprilwetter will ich auf alles vorbereitet sein. Als ich dann nach oben gehen will um die Damen auch ohne Schläfchen mitzunehmen ist da auf einmal Ruhe. War ja klar, fünf Minuten bevor wir loswollen. Ich lasse sie also zwanzig Minuten schlafen, da kommt auch schon Julia, die mit uns auf den Sportplatz geht. Zusammen ziehen wir die Kinder an, nicht ohne vorher nochmal 15 Minuten mit ihnen zu kuscheln. Vor allem N. wird gar nicht wach. Einmal angezogen schnappen wir uns noch die „Bo Kas“ und laufen los. Wie beinahe jeden Sonntag haben wir einen schönen Nachmittag beim Fußball. Auf dem heimischen Platz gibt es einen kleinen Spielplatz und als kleines Ritual gibt es auch eine Waffel für jede. Die Sonne wechselt sich mit Schnee ab, aber wie alle wissen gibt es kein falsches Wetter sondern nur falsche Kleidung. Als es dann aber nach dem Spiel schnell wirklich frisch wird, machen wir uns auf den Heimweg. Dort gibt es eine heiße Milch mit Honig („Honi Mi“) und relativ zeitnah auch Abendbrot. „Abebo“ und dann ab ins Bett, was auch problemloser und schneller klappt als erwartet. Momentan ist einfach jedes Schlafen gehen ein Glücksspiel.

Passend dazu verrät mir ein Blick auf die Uhr, dass ich es zwar geschafft habe den Beitrag an einem Stück zu schreiben, es aber dafür wirklich Zeit wird die Kinder aus dem Bett zu holen. Also, bis nächste Woche!

Wer die Bilder zu unserer Woche sehen möchte, der folge mir doch bitte bei Instagram. Dort habe ich wenigstens ein bisschen die Möglichkeit zu schauen wer Fotos meiner Kinder sehen kann.

Der alltägliche Wahnsinn: die Woche vom 04.-10. April

Die Idee einen Wochenrückblick zu schreiben habe ich von der lieben Melli von WunschkindMalZwei. Sie macht das jede Woche und schafft es den Alltag mit ihren Jungs sehr lesenswert zu beschreiben. Ich dachte mir das könnte eine tolle Idee sein um nicht nur regelmäßig zu bloggen, sondern auch (werdenden) Zwillingseltern einen Einblick in unser Leben zu geben. Vielleicht nimmt das manchen ein wenig die Angst vor dem was sie erwartet und der gleichbleibende, meist eher ereignislose Alltag unserer Familie zeigt ein Stück Normalität. Ausserdem ist es für mich eine super Möglichkeit eine Art Tagebuch zu führen. Sollte sich sonst jemand dafür interessieren wie es in der Familie Leseratte so zu geht, nur zu!

Starten wir also mit dieser ersten Woche der neuen Reihe „Der alltägliche Wahnsinn“:

Unser Montag beginnt mit Einkäufen. Die Mäuse begleiten uns dabei sehr gern und ziehen sich auch Zuhause oft die Schuhe an, um sich winkend zu verabschieden. „Tsau Mama, taufe“. Ausnahmweise brauchen wir nichts von der Frischetheke und so entfällt die sonst obligatorische „Wu“. Dafür gibt es beim Bäcker ein kleines „Bo“ (Brötchen) von Mamas Arbeitskolleginnen. Obwohl wir nur für drei Tage einkaufen und auch nur das Nötigste sind wir amEnde fast 120€ los. Wir fassen den Entschluss uns zukünftig doch mal das Sortiment beim Discounter anzuschauen. Nachmittags muss der Papa arbeiten. Wir ziehen uns etwas dicker an und genießen die Frühlingssonne. Erst auf der eigenen Baustelle im eigenen Garten, dann auf dem kleinen Spieplatz direkt nebenan. Die Mädels erstaunen mich immer wieder. Ganz allein watscheln sie über die Hängebrücke und rutschen todesmutig die steile Rutsche herunter. Manchmal ist es ganz schön schwer sich aufzuteilen, wenn ein Kind gerad die Wackelbrücke meistert und das andere Kopfüber die Rutsche herunter purzelt. Aber meistens haut es hin und wenn nicht, dann standen ältere Kinder immer hilfsbereit genau an der richtigen Stelle. Abends sind die beiden dann hundemüde ins Bett gefallen und hatten nicht mal mehr genug Energie um großartig Chaos zu veranstalten.

Dienstagmorgen fordern die Damen „Kleid“. Ich stecke sie also in ein orange-weiß gestreiftes Tshirt-Kleidchen aus dem Hause Disney. Mit Minnie Maus auf der Brust und blau-gepunkteter Leggings an den Beinen starten wir nun in den sehr ruhigen Tag. Im Übrigen trägt die Herrin des Hauses heute einen plüschigen Hasen auf dem Pullover, der ihre Töchter in Begeisterungsstürme versetzt. Modisch gesehen bisher ein sehr erfolgreicher Tag. Papa muss dieses Mal vormittags arbeiten und abends zum Fussballtraining. Wir beschließen also alle einen ruhigen Dienstag verbringen zu wollen und werden von den Damen aufs hervorragendste an ihrer neuen Spielküche bekocht.

Den Mittwoch vergeht so ereignislos, das es nichts darüber zu berichten gibt. Das Highlight für die Kinder war sicher das Stück „Lokela“ (na, wer weiss es?), dass Papa ihnen zugesteckt hat während ich die obere Etage aufgeräumt habe. Tja,mittlerweile plaudern sie solche Geheimnisse stolz aus…

Am Donnerstag haben wir unseren ersten Mittagsgast. Die N.s Kuscheltierschildkröte muss unbedingt mit uns essen. Sie bekommt einen eigenen Teller, einen Becher, eine Gabel und einen Erdbeer-Kartoffel-Auflauf von den Mäusen kredenzt. Es scheint ihr zu schmecken, zumindest beschwert sie sich nicht. Heute hat Papa frei und am Nachmittag fahren wir los um ein paar Besorgungen zu machen. Wir schaffen es vier verschiedene Läden in weniger als einer Stunde abzuklappen und auch nur ganz wenig zu vergessen. Anschließend bringen wir einer sehr guten Freundin einen unserer ausrangierten Maxi Cosis und zwei große Taschen voll Babyfläschchen. Sie erwartet im August ihr zweites Kind. Während die Damen Mittagsschlaf gemacht haben hatte ich alle Flaschen nochmal gereinigt und wurde dabei schon ein bisschen wehmütig. Als ich dann allerdings unsere Töchter dabei beobachte wie sie doch allen Ernstes alleine die Sprossen einer Leiter zum Spielhaus unseres Patenkindes erklimmen bin ich wieder ganz froh, dass wir schon so weit sind.

Freitag hat mein Opa Geburtstag, er wird 87. Da mein Mann wieder Spätschicht hat werden wir erst am Samstag zu ihm fahren um zu gratulieren. Das heisst für uns heute Kuchen backen. Voller Begeisterung hilft der Nachwuchs mit und am Ende erfüllt der Duft nach russischem Zupfkuchen unser Haus. Es wurde ausgelassene Butter zum Teig gegeben, der Boden festgedrückt, Quark für die Füllung hinzu gelöffelt, Eier aufgeschlagen und Teig zur abschließenden, namensgebenden Dekoration gezupft. Am Abend bringe ich zwei zufriedene Kinder ins Bett, die allerdings ziemlich lange brauchen bis sie endlich einschlafen.

Für mich ist die Nacht am Samstag um 5 vorbei, ebenso für meinen Schatz. Wir müssen arbeiten. Er bricht auf Richtung Krankenhaus, ich zur Bäckerei. Das Babyphone wird auf leisen Sohlen neben Omas und Opas Bett gestellt, die im Haus wohnen. Ich komme mittags vor meinem Mann heim und werde mit einem fragenden „Papa?“ statt freudiger Umarmungen begrüßt. Letzteres heimst eben jener dann ein, als er passend zum Ende des Mittagsschlafs nach Hause kommt. Unsere Mäuse werfen sich in Schale, zu Uropas Ehren tragen sie ihre Dirndl, dann fahren wir zu meiner Familie um dort den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen zu verbringen. Es wird ein entspannter Nachmittag, bei dem ich sogar die Zeit finde mich mit meiner Oma über ihre Jugend in Kriegszeiten zu sprechen. Sie wurde kinderlandverschickt und verbrachte zwei Jahre ohne ihre Familie in Böhmen Mähren. Ich habe darüber schon eine Hausarbeit an der Uni geschrieben, doch jedes Mal erschüttert es mich wieder zu hören sie sei von den Nazis nicht politisch beeinflusst worden – aber den Geburtstag des Führers haut sie ebenso schnell raus wie ihre Angst vor den „Negern“, Amis und Russen, die alle nur deutsche Frauen vergewaltigen wollen. Unser Gespräch findet ein Ende als ihre beginnende Demenz zuschlägt. Von gestopften Wollstrümpfen auf mein angebliches Leben im Frauenhaus in unter 3 Sekunden. Aber er ist eh Zeit zu fahren. Wir kaufen noch schnell etwas Grillgut und bringen die Kinder ins Bett, ehe wir uns ein paar Würstchen braten und dann schnell ins Bett verschwinden.

Am Sonntag steht wie immer Fußball an,ein Heimspiel. Wieder war der Papa morgens arbeiten, doch wir haben ihn mit lesen, kochen und malen gut rumbekommen. Leider sagte den edlen Dämchen mein Mittagessen nicht zu und so bekommen sie ein Stück Obstkuchen. Ich hatte nichts anderes bereitstehen und da sie nicht mal einen Happen gegessen haben muss es heute eben mal unorthodox sein. Dafür gibt es auf dem Sportplatz am Nachmittag etwas Warmes: Pommes und Würstchen. Um mein Gewissen zu beruhigen bestelle ich die Fritten ohne Salz. Die Kinder können ihr Glück gar nicht fassen und verputzen alles innerhalb weniger Minuten. Das es anschließend nicht noch eine Waffel gab fanden sie allerdings nicht so toll. Als ihre Krokodilstränchen fließen finde ich mich inmitten vorwurfsvoller Blicke älterer Mütter wieder. Erst schütteln sie den Kopf weil die Mädels Pommes bekommen, dann zerfließen sie vor Mitleid darüber wie ich ihnen nicht jetzt noch etwas Süßes gebe. Wenn die wüssten wie streng wir sonst sind was Essen angeht! Papas Mannschaft gewinnt nicht nur das Spiel sondern Papa höchstselbst schießt ein Tor. Er lüpft sein Trikot unter dem er ein Glücksshirt mit Bild seiner Töchter trägt und jubelt. Die Mäuse sind ganz stolz und erklären jedem „Da! Papa, Toooor! Mei Papa!“. Kurz vor dem Abendbrot geht es dann nach Hause und ins Bett. Das Wochenende ging viel zu schnell vorbei…

 

Wer die Bilder zu unserer Woche sehen möchte, der folge mir doch bitte bei Instagram. Dort habe ich wenigstens ein bisschen die Möglichkeit zu schauen wer Fotos meiner Kinder sehen kann.

Zusammenbruch

Vor vier Wochen schon hatte ich einen Beitrag über all jene Dinge verfasst die ich gern einmal verbloggen wollte. Leider ging es mir einfach nicht gut genug und so haben die Themen ein wenig ihrer Aktualität eingebüßt. Viele der Gefühle und Geschehnisse sind verblasst und jetzt noch darüber zu schreiben würde ihnen nicht gerecht werden.

Worüber ich aber unbedingt schreiben möchte ist mein Zusammenbruch vor mehr als 6 Wochen.

Ich habe das Leben mit Kindern, speziell das Leben mit Zwillingen, nie als belastend oder besonders herausfordernd empfunden. Natürlich, Mutter werden, Familie sein, die Partnerschaft hintanstellen,  die Aufgaben die jeder neue Tag bereit hält, all das ist immer wieder fordernd. Doch nie habe ich gedacht „ach du meine Güte, Zwillinge“. Nie habe ich es bereut Kinder bekommen zu haben. Ich wollte nie etwas anderes!

Dann kam die Fütterungsstörung und damit eine sehr anstrengende Phase von 8 Monaten. Wir hatten keine Wahl, mussten da durch, und haben es auch geschafft. Dabei haben wir Federn gelassen, wir waren nur noch Füttermaschinen. Die Liebe zueinander hatte kaum noch Platz, sie wurde zweitranging. Selbst als die Zeit der akuten Problematik vorbei war blieb die Spannung bestehen, mein Mann und ich stritten fast täglich. Wenn wir nicht stritten sprachen wir nur über Organisatorisches oder den Alltag. Wir nahmen uns kaum noch wahr. In dieser Zeit begann mein Mann sich seine Bestätigung darüber zu holen, dass er einer Arbeitskollegin bei ihren Beziehungsproblemen beistand. Seine Hilfsbereitschaft wurde zum Problem, als sie ein Geburtstagsgeschenk bekam aber unser Hochzeitstag vergessen wurde. Als er ihr Aufmunterungsgeschenke bestellte – an eine andere Adresse! Als er nur noch am Handy hing und Tag und Nacht sprang wann immer sie rief. Ein gemeinsamer Konzertabend? Am Handy. Wir wollen zusammen im Garten sitzen und quatschen? Am Handy. Ich müsse eben warten. Nachts weint eine Tochter, wir wachen beide auf, als ich zurück ins Schlafzimmer komme sitzt er… am Handy. Seine Kollegin hat Nachtschicht und er muss ihr wieder mal den gleichen Ratschlag geben den sie doch nicht befolgt. Das Ganze habe ich ein dreiviertel Jahr mitgemacht. Dann war das Maß voll und ich habe verlangt, dass er den Kontakt so weit reduziert wie es bei Arbeitskollegen eben geht. Es brauchte zwei Anläufe und ziemlich heftige Streits, dann hatte er verstanden, dass ich das so nicht mehr mitmachen würde. Wir rauften uns zusammen und mittlerweile ist es fast wieder wir früher, wie vor den Kindern als wir nur uns hatten. Doch ein kleines,nagendes, mieses Gefühl bleibt und an manchen Tagen muss ich mich zwingen mir nicht immernoch das schlimmste auszumalen. Ich will nicht wissen was genau war, nicht das ich ihm Untreue unterstelle. Aber wiesehr er sein Ego bei ihr aufpolieren musste, wie sehr es sich verrannt hat, ich will es nicht wissen.

Was das mit meinem Zusammenbruch im Februar zu tun hat? Ich habe aus diesen ersten fast zwei Jahren als Eltern fast nur negative Gefühle mitgenommen. Ich spreche nicht von der Liebe zu meinen Kindern oder von den schönen Momenten mit ihnen. Meine Erlebnisse rein als Mutter waren wundervoll! Doch alles aussen herum ist belastet. Selbst wenn ich Fotos von unseren Ausflügen in  den Zoo anschaue kann ich mich nicht nur an der Freude der Kinder erfreuen sondern mir fällt sofort wieder ein, dass da und da wieder das und das vorgefallen war. WhatsApp-Nachrichten, gereizte Stimmung, ein Streit, Tränen. Dazu kommt, dass ich mich viel allein gelassen gefühlt habe. Ich war immer bei den Kindern, habe alles am Laufen gehalten und mein Partner hatte Zeit für seine Hobbies und Freunde. Ein Stück weit ist es sicher immer so, dass in erster Linie die Mütter zurückstecken. Von Alleinerziehenden mal ganz zu schweigen. Doch das war ich eben nicht, ich war nicht alleinerziehend und mein Mann ist eigentlich ein toller Papa. Umso schmerzhafter ist es, wenn vorausgesetzt wird, dass man selbst keine Wünsche oder Ansprüche hat. Ich weiss nicht, ob ich das in die richtigen Worte fassen konnte, ob ich hier klar machen kann was es war das mich so fertig gemacht hat. Nicht nur das Verzichten auf alles Eigene, das Platz machen für die Bedürfnisse des Anderen. Sondern dann noch mit Verachtung, Aggressivität, Hohn und Unverständnis bedacht zu werden, zuzusehen wie jemand anders die volle Zuwendung bekommt und die eigene Familie vernachlässigt wird. Zu meinen Freundinnen habe ich kürzlich gesagt, dass ich nicht mehr ich war. Der Versuch sich in die Rolle als Mutter einzufinden (auch hier wieder nicht gegenüber den Kindern, sondern der Umwelt), hat mir ein Stück weit meine Identität genommen. Dazu gehörte meine Babypfunde zu akzeptieren, auch wenn mein Mann sich wünschte ich würde abspecken. Keine Comic-T-shirts mehr tragen, weil ich ja schon so jung Mutter wurde und dann wenigstens erwachsen aussehen sollte. Keine dröhnende Punk-Musik-Beschallung der Nachbarschaft mehr sondern Charts und Kinderlieder. Haare ab weil pflegeleicht und schlecht sitzende Hosen weil kein Geld. Alles ein Stück weit normal, doch da mir gleichzeitig ein gutes Stück meines Selbstwertgefühles durch das Verhalten meines Mannes zerstört wurde blieb nichts zurück.

Das einzige was ich immer hatte waren meine Töchter. Die lieben, süssen, gut erzogenen, nach der Fütterungsstörung pflegeleichten, hübschen, kuscheligen Töchter. Und dann kamen sie in die berühmt berüchtigte Trotzphase. Die volle Breitseite der kleinkindlichen Pubertät traf uns. Sie warfen mit Essen, sie bissen und kratzten, sie schlugen und kreischten. Bei jeder Gelegenheit ein Wutanfall. Schränke werden (und hier wechsel ich ins Präsens, denn was die Trotzphase angeht sind wir noch immer mittendrin) nicht nur ausgeräumt sondern der Inhalt zerstört. Die Kinder malen die Wände an und räumen die kalte Asche aus dem Ofen mitten ins Wohnzimmer. Sie hören für kein Geld der Welt und, für mich besonders schwer zu ertragen, lachen „mich aus“. Natürlich kann ein Kind in dem Alter seine Mama nicht im herkömmlichen Sinn auslachen, meist lacht es vielleicht aus Unsicherheit. Doch das setzte dem ganzen die Krone auf. Nicht nur mein Mann, auch meine Kinder nehmen mich nicht mehr Ernst! Für alle bin ich nur noch eine Witzfigur, eine die die Drecksarbeit macht aber nichts dafür bekommt. Nichtmal Liebe. Dabei lief es mit meinem Mann längt wesentlich besser, doch das doofe Gefühl war irgendwo noch da. Und durch den ständigen Machtkampf mit den Kindern, denn dazu ist es mittlerweile leider gekommen, brach alles wieder auf.

Alte Wunden brachen auf und ich zusammen. Zuerst fehlte mir nur die Kraft zu den kleinsten Dingen. Ich räumte nicht mehr auf, zum Beispiel. Dann wurde ich laut, die Kinder lachten nur noch mehr (Unsicherheit, ich sage es ja). Ich bestrafte meine Töchter vollkommen übertrieben und ungerechtfertigt. Ihr findet euer Spielzeug nicht selbst und sofort? Dann nehme ich es euch eben ab, sobald es wieder auftaucht. Ich schäme mich so sehr, ich weiss, dass das absolut sinnlos und vor allem falsch ist! Doch ich konnte nicht mehr. Mein Mann musste für Ordnung im Haus sorgen, nachts aufstehen obwohl um 5 der Wecker klingelte und die Kinder bespaßen sobald seine Schicht im Krankenhaus vorbei war. Trotzdem ging es mir immer schlechter. Ich trug nur noch Jogginhosen, duschte einmal die Woche und legte mich an manchen Tagen wieder ins Bett während ich behauptete mich fertig zu machen und die Kinder mit meinem Mann unten frühstückten.

Einen Mittag, kurz nach dem Mittagessen, kam es dann zum endgültigen Zusammenbruch. Ich weiss nicht mehr was genau es war, ob die Kinder ihre Legokiste nochmal auskippten obwohl das Wohnzimmer gerade halbwegs aufgeräumt war, oder ob sie eine Seite aus einem Buch gerissen hatten. Ich begann zu weinen. Ich weinte und weinte und weinte und zwischen den Schluchzern fragte ich sie immer wieder nur „warum?“. Mit grossen Augen und total geschockt schauten meine Töchter mich an. Ich konnte nicht aufhören. Irgendwann habe ich sie weinend ins Bett gelegt, wo sie dann begannen Quatsch zu machen statt zu ihren Mittagsschlaf. Immernoch weinend flehte ich sie an endlich ruhig zu sein und igelte mich auf der Couch ein bis mein Mann nach Hause kam. Der erkannte endlich den Ernst der Lage und schickte mich ins Bett. Den Rest des Tages verbrachte ich schlafend und so ging es noch einige Tage weiter. Mein Mann stellte seine Eltern auf mich ab. Wann immer er arbeiten war kamen entweder seine Mutter oder sein Vater rüber zu uns. Apathisch saß ich auf der Couch während sie mit den Kindern malten oder tobten. Sobald mein Mann wieder nach Hause kam ging ich ins Bett. Oder baden. Oder lesen. Er  ließ den Fussball weitestgehend ausfallen und wenn er doch mal zum Training oder Spiel ging waren ja seine Eltern da.

Ich rappelte mich auf, nahm die angebotene Zeit für mich dankbar in Anspruch. Meine Freundinnen nahm mich mit zum Kaffeetrinken oder ins Theater. Außerdem setzte ich meine Diät endlich mal richtig in die Tat um. Ich hatte mich wohl gefühlt mit meinen restlichen Babypfunden, ja, aber jetzt wo 10 Kilo runter sind, fühle ich mich tausend Mal wohler. Ich lasse meine Haare wachsen und habe erst kürzlich ein paar Disney-Shirts wieder vom Dachboden geholt. Beim duschen höre ich meine ganz eigene Playlist und singe lauthals mit, auch wenn der Text nicht jugendfrei ist.

Mein Schatz und ich nehmen uns wieder Zeit füreinander, wir haben unsere Leidenschaft für Serien wieder aufgegriffen und schauen im Bett Scrubs, Criminal Minds, Game of Thrones oder How I met your Mother. Wenn wir am Samstag die Show von Enissa Amani schauen bin ich mir fast sicher, dass sein Handy in der Tasche bleibt und wir auf dem Nachhauseweg über die gesehene Comedy lachen statt uns anzugiften.

Die Kinder werden gefühlt mit jeder Woche anstrengender. Erst heute hat E. die Wände in ihrem Zimmer mit Kot beschmiert. An manchen Tagen möchte ich nur die Decke über den Kopf ziehen und verschwinden. Es gibt Sekunden, in denen werde ich noch laut. Doch es übermannt mich nicht mehr. Ich kann wieder atmen und mir vor Augen halten, was besser wäre. Was für eine Mutter ich sein wollte, was für eine Mutter ich bin. Das ich Kräfte habe die mich durch meine schwachen Momente tragen. Es fällt mir nicht immer leicht nicht mir die Schuld zu geben am Verhalten der Kinder. Es fällt mir nicht immer leicht nicht den Kindern die Schuld zu geben an ihrem Verhalten. Oder an meinem. Es ist schwer zu glauben, dass mein Mann und ich nur noch rosige Zeiten haben. Müssen wir aber auch nicht. Gestritten haben wir schon früher.

Wir sind langsam wieder wir.

Ich bin langsam wieder ich.

 

Tausend Dinge

Es gibt tausend Dinge über die ich bloggen will. Die Mäuse hatten Geburtstag, so als Beispiel.
Über den Versuch, die Betten der Mäuse zusammenzustellen und darüber, wie wir nach einer Woche aufgeben mussten, weil sie zwar liebend gern miteinander kuscheln vor dem Schlafen, sich aber mindestens ebenso häufig ärgern bis die Tränen rollen.
Das Sprechen hätte mittlerweile auch einen eigenen Beitrag verdient, denn so langsam wird es (und es ist so süß!).
Ich würde gern über den Wandel der Gründe schreiben aus denen man seine Kinder liebt – vom Beschützer des hilflosen Wesens hin zu jedem einzelnen Charakterzug.
Über Wutattacken, Dickköpfe und die grosse Hilfe der Großeltern.
Oder, dass ich vor ein paar Wochen komplett an meine Grenzen gekommen bin. Es folgte ein kleiner Zusammenbruch und jetzt geht es langsam besser.
Seit fast drei Wochen bin ich ausserdem krank und es will und will mir einfach nicht besser gehen.

Die letzten beiden Themen sind auch der Grund, aus dem ich es noch nicht geschafft habe meine Gedanken abzutippen.

Aber sobald es mir besser geht, versprochen!